Stern leuchtet am Himmel

Mehr als ein Musikstil

Jürgen Ferrary
18. Dezember 2025

In der Christenheit hat sich ein Begriff etabliert, den es so noch nicht gab, als ich Christ wurde: „Lobpreis“. Gemeint ist damit meist moderne Musik, oft begleitet von einer Band statt von einer Orgel. Aber eigentlich beschreibt der Begriff mehr als nur einen Musikstil. Er beschreibt eine Haltung: Gott zu ehren, ihn zu feiern, ihm Raum zu geben.

Manchen ist das zu modern. Sie lieben die alten Choräle aus Mittelalter, Barock oder Romantik. Andere halten Lobpreis für eine Modeerscheinung. Ich persönlich liebe es, Lieder im Gottesdienst zu singen, die so klingen wie Musik, die ich auch zu Hause oder im Auto höre. Musik, die mich emotional abholt und mein Herz öffnet.

Und wenn wir ehrlich sind: Ganz neu ist diese Idee nicht. Martin Luther sagte einmal, man müsse dem Volk „aufs Maul schauen“. Er meinte damit, die Sprache und Kultur der Menschen ernst zu nehmen, um sie mit dem Evangelium zu erreichen. Luther selbst dichtete bekannte Wirtshauslieder um und machte daraus Kirchenlieder. Das war damals revolutionär – und für viele sicher auch „zu modern“.

Ironischerweise singen wir heute oft genau die Lieder aus seiner Zeit und nennen alles andere modern. Vielleicht täte es uns gut, wieder neu hinzuschauen: Wie sprechen Menschen heute? Welche Musik hören sie? Und wie können wir die gute Nachricht von Jesus so weitergeben, dass sie wieder gehört wird?

Denn Lobpreis an sich ist alles andere als modern – auch wenn das Wort erst seit einigen Jahrzehnten gebräuchlich ist.

Schon bei der ersten Weihnacht begegnen wir ihm. Als die Hirten auf dem Feld die Botschaft von Jesu Geburt hören, reagieren die Engel nicht mit einer theologischen Abhandlung, sondern mit Lob:
„Ehre sei Gott im höchsten Himmel und Frieden auf Erden für alle Menschen, an denen Gott Gefallen hat.“ (Lukas 2,14)

Das griechische Wort, das hier mit „Ehre“ übersetzt wird, lautet doxa (δόξα). Es bedeutet auch „Herrlichkeit“. Worte, die wir im Alltag kaum benutzen. Maximal, wenn wir uns heute freuen, sagen wir: „Wie herrlich!“ und meinen „Das ist der Hammer!“

Doxa drückt Begeisterung aus. Staunen. Anerkennung für etwas Außergewöhnliches. Modern gesagt: Gott wird gelobt. Gott wird gefeiert. Die Engel kannten also Lobpreis lange, bevor es Gitarren, Keyboards oder Beamer gab. Wir wissen nicht, wie es geklungen hat – aber wir wissen, warum sie Gott lobten.

Weil Jesus kam.

Er kam, um zu zeigen, wie Gott wirklich ist.
Er heilte Kranke, richtete Zerbrochene auf, sah die Ausgestoßenen.
Er liebte, wo andere verurteilten.
Und am Ende ging er den Weg bis ans Kreuz – und darüber hinaus –, um uns mit Gott zu versöhnen.

Darum sind Weihnachtslieder mehr als schöne Melodien. Sie sind Lobpreis. Damals wie heute. Die Engel haben begonnen, Generationen von Komponisten haben weitergesungen – und wir stimmen ein, jede Generation mit ihrem eigenen Klang.

Herausforderung für heute: Präge dir Lukas 2,14 ein – aber nicht trocken, sondern kreativ. Singe den Vers zur Melodie deiner Lieblings-Weihnachtsmusik oder sogar zu einem ganz anderen Song. Lass diese Wahrheit in dein Herz rutschen: Gott verdient Ehre, weil er uns in Jesus Frieden geschenkt hat.

Sei gesegnet!

„Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ (Richard Wagner).

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning